Friedhelm Eberle, Schauspieler

Friedhelm Eberle, geboren 1935 in Oberhausen, nahm privaten Schauspielunterricht in Oberhausen und Basel. Nach dem Abschluss 1956 in Düsseldorf kam er über Stationen in Plauen (1957/59) und Erfurt (1959/62) 1962 ans Leipziger Schauspielhaus. Er spielte dort im jeweiligen Lebensabschnitt die spielplanbestimmenden Rollen, wofür die klassischen Symbolfiguren Hamlet, Faust, König Lear (auch in Saarbrücken) manifest sind. Namentlich seien ferner erwähnt: Posa (‘Don Carlos’), Franz Moor (‘Die Räuber’), Egmont, Prinz (‘Emilia Galotti’), Claudius (‘Hamlet’), Pylades (‘Iphigenie auf Tauris’), Tellheim (‘Minna von Barnhelm’), Othello, Marc Anton (‘Julius Cäsar’), Kreon (‘Antigone’, Saarbrücken). Bedeutende sozialkritische Zeitstücke der provokanten europäischen Moderne eingeschlossen sowjetische Dramen wie ‘Der Aufstieg auf den Fujiyama’, ‘Die Richtstatt’ (Tschingis Aitmatow), ‘Diktatur des Gewissens’ (Michael Schatrow) zählten gleichermaßen zum weit reichenden Repertoire, darunter Merlin (‘Parzival’, Tankred Dorst), Wladimir (‘Warten auf Godot’, Samuel Beckett), Hamm (‘Endspiel’, Beckett), Krapp (‘Das letzte Band’, Beckett), Mr. Jay (‘Goldberg-Variationen’, Georg Tabori), Reger (‘Alte Meister’, Thomas Bernhard), Caribaldi (‘Die Macht der Gewohnheit’, Bernhard). Im kosmischen Wunderwerk der Sprache ‘Unter dem Milchwald’ (Dylan Thomas), (Hör-)’Spiel für Stimmen’, ein Tag im walisischen Fischerdorf Llarregyb mit seinen schrulligen Bewohnern, schlüpfte er in die Haut von über fünfzig Figuren.

Für die Vermittlung der ‘hohen Kunst des Sprechens’ für künftige Schauspieler war er seit 1965 an der Theaterhochschule Leipzig ‘Hans Otto’ (seit 1992 Theaterinstitut ‘Hans Otto’ an der Hochschule für Musik und Theater ‘Felix Mendelssohn Bartholdy’) als Dozent für ‘Künstlerisches Wort’ tätig. Vielen Hörspielfreunden ist er als meisterlicher Sprachgestalter gegenwärtig. Er arbeitete als Theater- und Hörspielregisseur sowie als Sprecher im Filmsynchronstudio. Autor und Regisseur der für den MDR geschaffenen ‘Hörbilder’ über die Komponisten Franz Schubert, Albert Lortzing, Anton Bruckner, den Orgelbauer Johann Gottfried Silbermann. Sprecher und Rezitator in Konzerten (‘Peter und der Wolf’ – Sergej Prokofjew) ‘Spanisches Liederbuch’ – Hugo Wolf), (‘Die Geschichte vom Soldaten’ – Igor Strawinsky), (‘The Firebrand of Florence’ – Kurt Weill u. a.). Literarische Soloabende mit Texten u. a. von Goethe (‘Reineke Fuchs’), Schiller (‘Balladen’), E. T. A. Hoffmann (‘Kreisleriana’, CD mit der Pianistin Christine Schornsheim), Hans Christian Andersen (‘Märchen’), Thomas Mann (‘Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull’, ‘Doktor Faustus’), Heinrich Böll (‘Nicht nur zur Weihnachtszeit’), Juan Ramón Jiménez (‘Platero und ich’, CD mit dem Gitarristen Jochen Roth). 2006 erschien eine CD mit Texten Samuel Becketts, der Erzählung ‘Erste Liebe’ und dem Monodram ‘Das letzte Band’.

Seine ansehnliche Filmo- und Telethek umfasst Titel wie ‘Nackt unter Wölfen’, ‘Dr. Schlüter’, ‘Einzug ins Paradies’, ‘Die gläserne Fackel’, ‘Heute sterben immer nur die anderen’, Serien wie ‘Polizeiruf 110′ (Hauptmann Reichenbach, sechs Folgen), ‘Tatort’.

In Kooperation mit Kurt Masur und dem Gewandhausorchester entstanden international weit beachtete, auf CD erschienene Produktionen von ‘Peer Gynt’ (Ibsen/Grieg) sowie ‘Ein Sommernachtstraum (Shakespeare/Mendelssohn Bartholdy) in eigener Textfassung. Gastspiele in Boston, Edinburgh, London und bei den Salzburger Festspielen (‘Bianca’, Hirschfeld) widerspiegeln Friedhelm Eberles internationales Ansehen. Unter Leitung von Kurt Masur interpretierte er zum Jahreswechsel 2006/07 in Tel Aviv mit Israel Philharmonic ‘Ein Überlebender aus Warschau’ von Arnold Schönberg. Ständiger Gastschauspieler der Oper Leipzig: Bassa Selim (‘Die Entführung aus dem Serail’, Mozart), Haushofmeister (‘Ariadne auf Naxos’, Strauss), Prinzipal/Teufel Farfarello (‘Die Liebe zu den drei Orangen’, Prokofjew), Alm-Öhi (‘Heidi’, Keeling, Musikalische Komödie).

Seit 2006 enge Zusammenarbeit mit dem Leipziger Autor Robert Mieth, der eigens für ihn die Monodramen über Leopold Mozart schuf (‘Er. Mein Sohn’), über Friedrich Wieck/Robert Schumann (‘Auf dass der Tod nicht scheidet’), Johann Caspar Goethe (‘Wer ganz will sein eigen sein schließe sich ins Häuschen ein’), Herrn von Oppel (im Richard Wagner-Stoff ‘Wegen wesentlicher Theilnahme’) sowie das MDR-Hörspiel ‘Herr Fasch geht durch die Stad(t)t’ über den Barockkomponisten Johann Friedrich Fasch, hierin auch Inszenierung und Gestalter der Titelfigur.

Friedhelm Eberle ist Ehrenmitglied des Leipziger Schauspielhauses, dem er ‘in erinnerungssicherer Weise’ über vier Jahrzehnte angehörte, Träger des Kunstpreises der Stadt Leipzig sowie Nationalpreisträger der DDR. 1994 Ernennung zum Professor für Schauspiel am Theaterinstitut ‘Hans Otto’ der Hochschule für Musik und Theater ‘Felix Mendelssohn Bartholdy’ Leipzig.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.